Aktenlage:
Eine Kindergärtnerin im nagelneuen Kindergarten Wildermieming, nennen wir sie Katja, ist immer auf der Suche nach neuen Geschichten, mit denen sie den Kindern die Natur näher bringen kann.
Die Biene Maja Folge mit den Kleinen Ameisen schien ihr absolut geeignet dafür. In dieser Geschichte wandert die Ameisengruppe „eins-zwei-eins-zwei-eins-zwei“ auf die Gräser in der glücklichen Blumenwiese und kitzelt die Blattläuse so sehr, dass sie vor lauter Lachen eine dicke Kugel Zuckerwasser losließen. Man kennt das ja schließlich, dass man sich vor Lachen in die Hose macht – so was ähnliches ist das auch bei den Ameisen. Den Zuckertropfen nennt man nämlich Honigtau und ist eigentlich das Blattlaus AA.
Die Ameisen verfüttern diesen Honigtau an ihre Larven oder versorgen einen Pilz im Boden mit dem Zucker, so, dass dieser wachsen kann und das Ameisenvolk über den Winter bringt. Nur eine kleine Jungameise kann es nicht lassen und schlürft den Honigtau an Ort und Stelle sofort in ihren Bauch – Kinder halt.
Erster Augenschein durch die Kindergartengruppe
Voll motiviert und mit vielen Becherlupen bewaffnet startet die Kindergartengruppe
„Die veganen Gummibärchen“ in den Garten der benachbarten Volkschule. Dort stehen vor dem Eingang ein paar Sträucher und Obstbäume, die zwar mit großer Motivation gepflanzt wurden, aber kaum gepflegt werden. Ein idealer Ort um mit Kindern die lachenden, sich in die Hose machenden Blattläuse und ihre Freunde die Ameisen zu beobachten.
Anstatt großer Freude und Lachen kippte die Situation und die Kinder mussten durch ein KIT – Krisen-Interventions-Team der Gemeinde, (dem Bürgermeister und seine First Lady) betreut werden. Sie sprachen mit den Kindern auf Augenhöhe und konnten so die größten Panikattacken einfangen und die Kinder beruhigen. Sie konnten nach kurzer medizinischer Diagnose durch die Elementarpädagogin Katja (Tante Katja darf man ja nicht mehr sagen) in die Obhut der Eltern entlassen werden.
Anfangsverdacht:
Es konnte zwar nicht im Einzelnen ermittelt werden, ob die Blattläuse gelacht hatten, aber offensichtlich spielten sich auf den Blätter der schuleigenen Obstplantage schauerliche Szenen ab. Blattläuse ohne Beine, abgebissene Flügel lagen herum – einfach ein Bild des Schreckens.
Untersuchung im Kriminaltechnischen Labor
Einzelne Äste, samt den Blattläusen und den Ameisen eins-zwei-eins-zwei-eins-zwei wurden großzügig in Bratschläuche verpackt und zur Kriminaltechnischen Untersuchung nach Telfs gebracht. Der zuständige Sachverständige der Pflanzenvielfalt, Prof. Rupprechter, untersuchte die angelieferten Problemfälle.
Lösung des Falles:
Tatsächlich konnten die schauerlichen Geschichten der Kindergartenkinder bestätigt werden. Die Ameisen konnten keinerlei Freundlichkeit erkennen lassen, von Kitzeln konnte überhaupt keine Rede sein. Tatsächlich handelt es sich eher um ein geradezu industrielles „Melken“ der Blattläuse. Sie werden von den Ameisen als biologische „Zapfanlage“ missbraucht, um möglichst viel zuckerhaltigen Pflanzensaft zu ernten.
Die kleinen Blattläuse werden gezielt an Stellen angesetzt, die viel Ertrag versprechen. Damit sich diese Blattläuse nicht entfernen können, werden Flügel abgefressen, Beine gekürzt oder ganz entfernt. Man könnte geradezu von Versklavung des Blattlausvolkes durch die Ameisen sprechen.
Gegenmaßnahmen:
Es werden in der Wissenschaft unterschiedliche Formen des Zusammenwirkens von Blattläusen, Pflanzen und Ameisen beschrieben. Dies ist nur eine der Formen, die sich bei uns in Mitteleuropa etabliert hat. Ein Fernhalten der Ameisen durch Klebebänder am Stamm ermöglicht es den Nützlingen besser auf das Blattlausvolk einzuwirken, ohne dass sie von den Ameisen dabei gestört werden. Ein ausgewogenes funktionierendes Zusammenspiel zwischen Pflanze, Schädling und Nützling sollte das Ziel eines jeden Gartenbesitzers sein.